Es war der Anblick des Jahrmarktes gewesen, der Spatz wie ein heller, kleiner Lichtstrahl erschienen war. Ein heller Finger, der sich durch die Dunkelheit der letzten Stunden gebohrt hatte und sie zu sich lockte.
Einen Zirkus hatte sie am Rande noch registriert. Jahrmarkt und Zirkus schienen sich in diesen gefährlichen Stunden zu einem Ganzen geformt zu haben.
Eine Einheit, die nichts von dem trug, was man normalerweise an solchen Orten erwartete.
Kein helles Lachen, keine Späße, keine wilden Tänze um die Feuer, keine Musik, keine Geschichten… nur eine angespannte Vorsicht die über allem wie ein schwerer Arm ruhte.
Stille…
Die Müdigkeit hatte sie zu sich gerufen…
…Gesichter waren aufgetaucht und verschwunden… ihre Augenlider so unendlich schwer erschienen.
Doch Spatz hatte sich wach gehalten. Hatte sich ihrer Müdigkeit gestellt und einige Worte mit „ihren Leuten“ gesprochen.
Sie war dazu etwas abseits gegangen. Hatte Emilie und Felix zu verstehen gegeben, das sie gleich wiederkehren würde.
Es waren die starken Arme ihres Vaters gewesen die sie still und stumm umfingen. Seine Finger in ihrem kurzen Haar.
NSC Fakan
Sein ernster Blick, den er nie vermochte abzulegen, selbst nicht wenn er lachte, bohrte sich in ein fernes Nichts. Es war ein Blick der aus schwarzen Augen, zwei Kohlestücke gleichend die noch leicht im dunklen zu glimmen schienen, floss.
Seine Nase war ähnlich scharfgezeichnet wie sein Mund, der aus purer Ernsthaftigkeit geformt schien.
Der durchtrainierte Mann hielt die kleine Spatz einen Moment in seinen Armen. Väterlich. Beschützend.
Dann löste er sich von ihr, als er etwas klebriges an seinem Arm spürte.
Blut…
Einige Zeit später…
Spatz
Dunkelheit umspülte wie ein tosendes Meer ihre Wahrnehmung.
Hatte sie für einige Augenblicke hinfort getragen.
Als sie ihre Augen wieder öffnete sah sie direkt in Fakans Gesicht.
„Was…was war denn?...“
„Serinie war bei dir. Die Wunde wird dir eine weitere Narbe schenken. Aber sie wird dich nicht umbringen…“, seine Stimme rollte sanft über Spatz hinweg.
„Aber…aber…oh ja… ich habe Freunde mitgebracht und Felix ist verletzt…Emilie hat hunger…“
Mehr hatte Spatz nicht stammeln können. Dann waren ihr Tränen über das Gesicht gelaufen.
Nicht viele, aber genug um sich erleichtert zu fühlen. Genug um beschämt das Gesicht abzuwenden.
„Es wurde sich schon um alles gekümmert“, sprach Fakan mit dem dunklen Anstrich in der Stimme, “ geh zu ihnen. Sei bei ihnen. Ich werde mit Serinie sprechen.“
Mit diesen Worten erhob er sich und ging zu Serinie.
NSC Serinie
Ihr langes, dunkles Haar glänzte wie das Gefieder eines Rabens, über das der silberne Schein des Mondes zu wandern schien.
Ihr Mund war sanft geschwungen und schien mit der Sünde vermählt zu sein.
Sie stand etwas Abseits. Beobachtete Fakan und Spatz.
Serinie alleine wusste wieviel Glück Spatz gehabt hatte.
Serinie schüttelte leicht den Kopf und wartete bis ihr Freund sich von Spatz löste und langsam auf sie zu kam.
Sie hatte es schon lange gesehen. Es hatte schon viele Tage schwer wie ein Gewitter in der Luft gelegen.
Die Frau mit den hohen Wangenknochen und der herben Schönheit einer Wüstenblume nickte Fakan zu.
Bevor sich ihre Aufmerksamkeit gänzlich auf ihren Begleiter legte, fing sie noch kurz einen entfernten Blick von Spatz auf.
Serinie schenkte ihr ein kurzes Lächeln. Dann galt Fakan ihre Aufmerksamkeit, denn sie befanden sich alle in einer äußerst ungünstigen Lage.
Spatz
Sie hatte ihrer Mutter einen kurzen Blick zugeworfen und ein liebevolles Lächeln dafür geerntet.
Sie werden sich sicher mit dem Direktor des Zirkus treffen müssen… und beraten…
Spatz drehte sich ab und ihr Blick, wie ein ausgestreckter, unsichtbarere Zeigefinger, tastete sich über den Platz.
Etwas weiter hinten konnte sie Felix und Emilie sehen.
NSC Halvar
Er war ein Bär von einem Mann. Hochgewachsen und breit wie eine Eiche.
Ein Blick wie ein Felsschlag.
Hände die an Hammerköpfe erinnerten.
Schweren Schrittes hatte er sich Fakan und Serinie genähert.
Der Mann mit dem wilden Bart und den langen, rötlichen Haaren, die von ein paar Zöpfen gebändigt wurden, wurde von Serinie und Fakan mit einem knappen Nicken begrüßt.
Spatz
Sie hatte ihr Tuch, nun etwas schmutzig und nicht mehr ganz so leuchtend, wieder um ihren Hals gebunden.
Ihren Hut trug sie unter den Arm geklemmt während, sie langsam auf Felix zuging.
Emilie hatte sich unterdessen auf den Schoß von Krimsar gesetzt, der wohl gerade eine Geschichte zum besten gab.
NSC Krimsar
Ein Mann mit einem Grinsen,welches sicher manche Kriege hätte beenden können. Frohsinn und Lebenslust schwammen in seinen hellen, sommerblauen Augen.
Sein Mund trug etwas spitzbübisches, während er am Rande des Platzes saß und der kleinen Emilie, und noch ein paar anderen Kindern vom Jahrmarkt und dem Zirkus, eine spannende Geschichte voller Zauber und Fantasie erzählte.
Außer seiner Stimme, die wie ein Sommerwind über die Kinder hinwegwehte, war nichts zu hören.
So gespannt lauschten sie ihm.
Spatz
Ein kurzes Nicken in Richtung Krimsar, dann trat sie auf Felix zu, der nun versorgt und alleine am Boden saß.
„Na du, ich sehe du scheinst zu überleben? Oder überlegst du es dir noch anders?“
Spatz ließ sich gegenüber von ihm nieder und spielte nachdenklich mit ihrem Hut.
„Was meinst du was wir tun sollen? Jetzt? Oder tun können?“
Spatz blickte sich um.
Sie suchte nach "den Anderen" aus der Stadt. Und sie meinte sie auch zwischen den Wagen und Zelten zu entdecken.
Sie schienen erhöht.
Die Pferde...
"Schau mal, Felix!"
Spatz deutete in die Richtung der kleinen Gruppe.