Irgendwo in der Nähe…
Der Schnabel des Rabens öffnete sich, während seine spitzen Krallen langsam in den Resten einer überwucherten Mauer verschwanden.
Er stieß ein lautes Krächzen aus und sein Ruf ritt mit dem Heulen des Windes über die Stadt hinweg.
Glitt wie eine unsichtbare Kreatur über die Kämpfenden und über den Wald hinfort, auf der Suche nach Verbündeten.
Die gelben Augen des Vogels spiegelten die vielen, flackernde Lichtpunkte der Stadt wieder und sogen förmlich das Leid und den Schmerz der Menschen hier in sich auf.
Er war nur einer von vielen, und die Antwort seiner hungrigen Verwandten ließ nicht lange auf sich warten.
Ihre krächzenden Stimmen durchzogen die Schreie und den Kampfeslärm der Stadt und viele, dunkel gefiederte Kreaturen erhoben sich. Folgten dem Ruf des krächzenden Einen.
Emilie, Felix, Spatz und ein gefällter Baum…[/u]
Spatz sah Felix an. In ihren Augen glühte Verwunderung und Angst. Und, wie kleine Sterne in der Dunkelheit eines nächtlichen Himmels, funkelte Glück dazwischen auf. Die junge Frau hatte ihre Arme ausgebreitet, in die Emilie gelaufen kam und schützend legten diese sich um das Kind.
Das kleine Mädchen hatte den Riesen zu fall gebracht.
Leise, unsicher und traurig, fragte sie:“ Ist der böse Mann tot? Habe ich ihn umgebracht? B..b..bin ich nun eine M..mörderin?“
Spatz schüttelte den Kopf und lächelte. „Nein, ich glaube er lebt noch. Aber er schläft jetzt…“
Es war die Stimme von Emilie die Spatz mehr berührte als die vielen, traurigen Geschichten die Krimar ihr manchmal erzählt hatte.
Die Art wie Emilie sprach. Die Traurigkeit in jedem Worte…
Spatz musste schlucken und, wie eine stille Antwort auf ihre Gedanken, drückte sie Emilie noch etwas fester an sich.
Was die Schmerzen in ihrem Körper wieder verstärkte. Sie lächelte. Das war ein Zeichen dafür dass sie wahrlich noch lebte.
„Danke, Emilie. Du hast uns gerettet…, “ keine Unsicherheit haftete diesen Worten an. Nur die klare Erkenntnis, dass sie gegen diesen Mann alleine keine Chance gehabt hätten.
Spatz drehte ihren Kopf leicht zur Seite, legte ihre Wange an die Stirn von Emilie und betrachtete Felix.
„Wir können dich doch nicht einfach…alleine lassen, “ Vorsichtigkeit tollte über den Satz hinweg.
Was sie sah erschreckte sie fast und sie sog die Luft leicht ein. Etwas lag in dieser. Es war nicht nur der Geruch nach Angst, Blut und Verzweiflung. Etwas Magisches flackerte über ihm und um ihn herum. Durchzog Felix wie sein Atem.
Irgendwo in der Nähe…
Das Krächzen der Raben ritt über die sonstigen Geräusche der Nacht hinweg. Der Rabe auf der Mauer warf seinen gelblichen Blicke voraus. Legte seinen Kopf zur Seite und versenkte seine Aufmerksamkeit in der Ferne.
Eine schwarz gefiederte Heerschar, einer dunklen Wolke ähnelnd, sammelte sich über dem Raben auf dem Mauerrest. Kaum gegen den schwarzen, trostlosen Nachthimmel zu erkennen.
Und langsam breitete der schwarze Gesell auf der Mauerruine seine schimmernden Flügel aus und erhob sich.
Emilie, Felix, Spatz und ein gefällter Baum…[/u]
Ein Krächzen, wie aus vielen Schnäbeln in die Dunkelheit gespieen, schwamm dem Ort wo sie standen entgegen.
Ein Ruck ging durch den Körper des gefällten Riesen am Boden. Seine Hand schloss sich um den Griff seiner Waffe. Seine Haare, die zu vielen Zöpfen geflochten war, in denen Steine mit seltsamen Zeichen hingen, rutschten leicht zur Seite.
Gaben den Blick auf den breiten Nacken des Vesten frei. Ein stilisierter Rabe spannte sich rötlich über das Fleisch des Mannes. Er stöhnte etwas, doch dann erschlaffte der vernarbte Körper des Hünen wieder.
Spatz Augen zeichneten den Mann mit großer Überraschung und Angst nach. Ihr Blick bohrte sich dabei in die Tätowierung des rötlichen Raben.
Es war nur ein einziges Bild, doch das löste tiefe Ängste in ihr aus.
Lockten diese aus dunklen, tiefen Abgründen ihres Innersten hervor, die aus Vergangenheit und Vergessen gebaut waren. Angründe die jeder Mensch beherbergte.
Die Narbe an ihrem Hals begann zu schmerzen und ihre Hand legte sich an das bunte Tuch, das um ihren Hals geschlungen war.
was…bei Theus… oh oh… wir sollten hier schnell weg…
Sie blickte auf, es lag wirklich sehr viel mehr als nur dieser Kampf um die Stadt in der Luft.
„Felix… lass…lass uns gehen. Bitte!“ Ihre Stimme erklang eindringlich und sie zog Emilie langsam von diesem Ort weg.
Spatz wusste dass sie Felix nicht zwingen konnte mit ihnen zu gehen. Doch sie hoffte darauf, dass er wusste was er tat.
„Das…ist ein wirklich böser Mann…der, glaube ich, mit wirklich bösen Mächten…, “ mehr konnte sie nicht sagen. Der feste Griff von Emilie und das leise, erneut aufkeimende Schluchzen von ihr rissen die Aufmerksamkeit von Spatz zurück.
Spatz musste das Kind in Sicherheit bringen. Egal was Felix nun tat.