Spatz nickte Felix zu, schenkte ihm und der Kleinen noch ein aufmunterndes Lächeln und bedeutete den Beiden ihr zu folgen. Das Seitentor zurücklassend.
Die Dolchklinge schmiegte sich an ihren Unterarm, die Klinge des zarten Messers drückte sich sachte an die Innenfläche ihrer Hand. Ihr Körper war leicht nach vorne gebeugt.
Überall flackerten Fackeln auf den Mauern auf, wie die letzten Reste der Hoffnung in den Herzen der Verteidiger.
Es sah nicht wirklich gut für die Stadt aus.
Felix war dicht hinter Spatz. Die Kleine zwischen ihnen und sie klammert sich an Felix.
Spatz bewegte sich keinen Schritt zu schnell. Ihr Blick sprang immer wieder zu Felix zurück. Ihr Körper passte sich seiner Schnelligkeit an und berücksichtigte seine Verletzung.
Berücksichtigte ihre eigene Verwundung, die ihre Kraft ebenfalls an den Rand ihrer Möglichkeiten führte.
Um sie herum erklangen Schreie. Befehle die in die Nacht gebellt wurden wie derbste Verwünschungen.
Männer strömten zur Mauer hin, einem Fluss gleichend der viele Arme in die Welt geworfen hatte.
Ein Spiel aus Schatten und Angst hing wie eine schwere Glocke über der Stadt.
Kaum einer nahm Notiz von ihnen. Sie schienen ein unwichtiges Teil im großen Bild des Kriegschaos zu sein.
Ihr Glück.
Spatz konnte im Mantel der Dunkelheit Lichter ausmachen. „Dort…dort ist der Zirkus…dort ist mein Jahrmarkt, “ flog es ihr erleichtert aus dem Mund.
… ich bin so erleichtert wenn wir alle dort lebend ankommen…Serinie wird sich sicher um Felix kümmern…
Ihr Kopf drehte sich zu Felix und Emilie. Hoffnung und Erleichterung hatte ihren Blick geflochten.
„Und wen haben wir da?“ grollte eine Stimme schwer gegen die Wahrnehmung von Spatz.
Ihr Kopf fuhr herum, ihr Blick schnellte zu einem Hünen von Mann auf dessen Schulter ein Rabe saß der ein Krätzchen, einer Drohung gleichend, in die Nacht spie.
„Spitzel? Spione denke ich. Und was macht man mit Spionen?“ Eine Stimme, wie zwei Grabplatten die aneinander krachten, schmetterte ihnen erneut entgegen.
Der Mann, der in einem Lederwams steckte, schwang sein gezogenes Breitschwert durch die Luft.
Die Muskeln unter seinen nackten Oberarmen, die mit vielen Unheilverheißenden Runennarben versehen waren, spannten sich an.
Der Rabe breitete seine Flügel aus und sprang von der Schulter seines Herrn.
Auf Spatz zu.
„Oh…, “ entfuhr es Spatz und sie sprang nach hinten. Stieß dabei leicht gegen Emilie, die leise Aufschrie und sich gegen Felix drückte.
Mit einer kraftvollen Bewegung riß der Mann sein Breitschwert von oben auf Spatz herab.
Der Körper der jungen Frau schnellte seitlich weg und entkam dem Angriff des Riesens nur knapp.
Der Boden donnerte als sich die Waffe in seine erdige Haut bohrte.
Dreck und Gras wirbelte durch die kriegsgeschwängerte Luft. Die Klinge war nur Knapp an der Schulter von Spatz vorbeigezischt.
Der Blick des Fremden, dessen Haut Spatz an die Rinde eines alten Baums erinnerte, so vernarbt war sie, folgte ihr.
Flink wie eine Katze, kurz bevor sie ihre Kralle ausfuhr, bewegte sie sich von dem Ungetüm weg.
„Felix, schütze Emilie…“, entfuhr es Spatz. Wohl wissend das es idiotisch war ihm das zu sagen.
Felix hatte seine Mühe sich etwas aus dem ängstlichen Griff der Kleinen zu befreien.
Tränen sickerten in sein blutverschmiertes Hemd. Ein Schluchzen brachte den Körper des Mädchens zum Beben und ihre Puppe fiel langsam auf den Boden.
Der Wilde, mit einem Blick aus kaltem Irrsinn versehen, sprang der leichtfüßigen Spatz nach.
Die Erde schien, mit jedem Schritt, welcher der rothaarige Mann tat, zu beben. In den Augen des Fremden loderte die Wut wie zwei hell brennende Fackeln.
Spatz stieß sich vom Boden ab, ihr Körper überschlug sich, wendig wie ein Wiesel, mehrmals nach hinten. Das hatte sie bei ihren Leuten gelernt. Das hatte sie von Farkan gelernt.
Jeder Muskel zeichnete sich gegen ihre blasse Haut ab, während der Schmerz ihrer Wunde in ihrem Innersten wie eine Kanonenkugel einschlug.
Ihr Arm, an dem sich der Dolch entlang zog, riss sie vor ihr Gesicht. Ihr Körper verharrte in der Hocke.
Bereit zum Sprung.
Sie sog die Luft scharf ein.
Reiss dich zusammen…das Glück wird den Riesen zu Fall bringen…
In der langen Klinge ihres Dolches spiegelten sich ihre Augen wieder. Angst, Schmerz und Wut brannte in diesen, wie die Hitze in einer Esse.
Ein Lachen entrann der Kehle des bärtigen Riesen, der weder Spatz noch Felix aus seiner Aufmerksamkeit ließ und dem nicht entgangen war das die wendige Frau eine lange Waffe an ihrem Arm verbarg.
Der Mann kam auf Spatz zu. Eine Hand, wie ein Hammerkopf, hielt die breite, wuchtige Waffe und schwangen diese mit einem lauten „woff“ durch die kühle der Nacht.
„Zeit dir deine Flügel auszureißen, kleiner Schmetterling“, knurrte der bärige Hüne.
…ich kann mehr als mich nur verbiegen du Idiot…
Wie eine Katze, kurz vor dem Sprung, fixierten ihre Augen ihren Feind. Wie eine Klapperschlange schnellte ihr Körper auf den Riesen zu und drehte sich dabei schnell um ihre eigene Achse.
Geschickt ließ sie dabei die Klinge durch die Luft schneiden. Der lange Dolch biss scharf in den vorderen Oberarm des Mannes, den er ihr hingedreht hatte.
Ihr Körper drehte sich dabei geschmeidig weiter. Spatz wusste durchaus den Schwung dieser Bewegung zu nutzen und sie gelang hinter den Riesen. Mit der Kraft der Drehung rammt sie ihm das Messer bis zum Heft in die Rückseite des Oberarmes.
Das dunkle Blut des Mannes ergoss sich in einem Schwall aus dem klaffenden, fleischigen Maul in seinem Arm und hinterließ auf Spatz Händen, wie auf den Resten ihrer einst hellen Bluse, klebrige Muster.
Der Schmerz schien dem Angreifer vertrauter als Spatz. Schien dessen bester Freund zu sein, auch wenn der Angriff ein leichtes zischen seinem breiten Mund entlockte.
Seine Erfahrung, die sich aus vielen Kämpfen zusammensetzte, ließ ihn seine Kräfte erneut fokussieren. Mit der Kraft seiner Runen fuhr der Hüne herum. Sein Ellenbogen fuhr mit der Wucht eines Steinschlages auf seinen schmächtigen Angreifer herab.
Spatz`s Augen weiteten sich. Sie wusste dass sie zu langsam reagieren würde, noch bevor dies geschah.
Sie wusste, dass sie ihm nicht mehr gänzlich ausweichen konnte und so ließ sie sich einfach nachhinten fallen.
verdammt…